Sakramente und Segenshandlungen

Sakramente sind heilige Zeichen oder „sichtbares Wort“ (Augustinus). In der lutherischen Kirche ist nicht ihre Anzahl wichtig, sondern ihre Bedeutung. An erster Stelle stehen die von Christus ausdrücklich befohlenen Sakramente Taufe und Abendmahl, sodann die Beichte (Absolution) und die Ordination, schließlich Segenshandlungen nach kirchlicher Überlieferung: Konfirmation, Eheschließung (Trauung), Krankensegnung (Salbung), Bestattung sowie weitere Feiern zu besonderen Anlässen („Kasualien“).

Christ werden durch Taufe, Konfirmation und Abendmahl

„Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden‘s aber.“ (Martin Luther)

Haben Erwachsene oder Jugendliche sich entschieden, ihren Lebensweg mit Jesus Christus zu gehen, werden sie in die Kirche aufgenommen. Voraus geht eine Zeit der Vorbereitung – der Kat­echumenat. Vorzugsweise in der Osternacht werden sie dann durch die Taufe, die Handauflegung und das Abend­mahl in die Gemeinschaft der Glaubenden eingegliedert.

Was hier in einer einzigen Feier geschieht, ist bei Kindern, die als Säuglinge oder Kleinkinder getauft wurden, in mehreren einzelnen Feiern entfaltet. Taufe – Konfirmation – erster Abendmahlsempfang (Erstkommunion) ist die ursprüngliche Reihenfolge; oft werden heute nach der Taufe zunächst die Erstkommunion und später die Konfirmation gefeiert.

Taufe

Taufschale-B900H600In der heiligen Taufe befreit uns der dreieinige Gott von den Mächten des Bösen, bringt unserem sündigen Ich den Tod, schenkt uns eine neue Geburt, macht uns zu Söhnen und Töchtern Gottes und zu Gliedern am Leib Christi, der Kirche. Wasser verbunden mit dem Wort – Gottes rettende Verhei­ßung in Jesus Christus – ist in der Mitte dieses grund­legenden Sakraments.

Die Taufe ist einmalig und kann nicht wiederholt werden. Auch Kinder und Unmündige können das Sakrament empfangen, denn das JA Gottes geht allem menschlichen Verstehen, Entscheiden und Tun voraus. Doch soll sich das Geschenk der Taufe im ganzen Leben entfalten: christliche Unterweisung, Konfirmation und Beichte sind eng auf die Taufe bezogen, der wiederholte Empfang des heiligen Abendmahls erneuert und vertieft die mit der Taufe eröffnete geistliche Wirklichkeit.

Wichtiges aus der Taufliturgie

Die Tauffragen

Bei der Taufe eines Kindes werden die Eltern mit folgenden oder ähnlichen Worten gefragt:

„Liebe Eltern, ihr wollt, dass euer Kind getauft wird und als Christ aufwächst. Darum sollt ihr es im Glauben erziehen und zum Beten anleiten, dass es ein lebendiges Glied der Gemeinde Jesu Christi bleibt. Seid ihr dazu bereit, so antwortet: Ja, durch Gottes Gnade.“

Die Patinnen und Paten werden gefragt:

„Ihr übernehmt die Aufgabe, für dieses Kind zu beten, ihm beizustehen und es anzuleiten zu einem Leben aus dem Glauben. Seid ihr dazu bereit, so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.“

Jugendliche oder Erwachsene werden gefragt:

„Sagst du dich los vom Satan mit seinem bösen Werk und trügerischen Wesen? – Glaubst du an Gott, den Vater, der dich geschaffen hat? – Glaubst du an Jesus Christus, der dich erlöst hat? – Glaubst du an den Heiligen Geist, der dir beisteht? – Willst du getauft werden?“

Die Taufspendung

Nach altem Brauch wird durch dreimaliges Untertauchen getauft. Heute wird in der Regel dem Täufling dreimal Wasser über den Kopf gegossen, so dass die Anwesenden es sehen können. Dazu spricht der Täufer:

„(Name), ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Dann wird dem Täufling die Hand aufgelegt:

„Der allmächtige Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus, der dich von neuem geboren hat durch das Wasser und den Heiligen Geist und hat dir alle deine Sünde vergeben, der stärke dich mit seiner Gnade zum ewigen Leben.“

Was man zur Taufe wissen sollte

Vorbereitung und Patendienst

Bei der Taufe eines Kindes ist die Entscheidung der Eltern ausschlaggebend. Für die Taufe Jugendlicher oder Erwachsener ist der eigene Entschluss maßgeblich. Wie sie in die Grundlagen des christlichen Glaubens eingeführt werden, ist unterschiedlich: um Gespräch, in Seminaren, im Schul-, Konfirmanden- oder in einem eigenen Taufunterricht.

Paten bekennen für ein Kleinkind in dessen Namen den Glauben, sie begleiten den Täufling dabei, dieses Geschenk zu entdecken und sie übernehmen auch Verantwortung als Beistand in Krisenzeiten. Mindestens einer der Paten soll der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche angehören. Weitere Personen können als Taufzeugen hinzugezogen werden.

Auch Kinder, deren Eltern, die keiner christlichen Kirche angehören, können getauft werden. In diesem Fall haben die Paten eine besonders wichtige Rolle.

Beteiligungsmöglichkeiten beim Gottesdienst

Der Taufgottesdienst kann gemeinsam vom Pfarrer, der Tauffamilie und den Patinnen und Paten vorbereitet und gestaltet werden. Eltern und Paten können – wo es üblich ist – ein biblisches Wort als „Taufspruch“ auswählen, sie können eine Taufkerze mit Datum und Namen vorbereiten. In der Feier können sie bei den Fürbitten mitwirken.

Mitgliedschaft in der Kirche

Die Taufe verbindet den Täufling rechtsgültig mit derjenigen Konfession, in deren Gemeinschaft er getauft wird. Wer seinen Austritt aus einer christlichen Kirche erklärt hat, wird bei einem erneuten Kircheneintritt nicht wieder getauft, denn die Taufe behält ihre Gültigkeit.

Konfirmation

KonfirmationDie Konfirmation (vom lateinischen Wort confirmatio, Bestär­kung) erwächst aus der Taufe und weist auf diese zu­rück. Sie ist ihrem Wesen nach Taufgedächtnis und zielt über das Ju­gend­­alter hinaus auf das ganze christliche Leben. So ist z.B. auch die erneute Hinwendung zur Kirche ein konfirmato­ri­scher Vorgang. Mittelpunkt der Konfirmation ist der seg­nen­de Zuspruch des Heiligen Geistes mit Handlauflegung durch den Pfarrer.

Wichtiges aus der Konfirmationsliturgie

Das Glaubensbekenntnis und die Konfirmationsfrage

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden bekennen mit den Worten der Kirche den christlichen Glauben, der ihnen in der Taufe geschenkt wurde. Sie hören die Zusage Jesu Christi, dass er sie begleiten und bei ihnen sein wird. Dann werden sie mit folgenden oder ähnlichen Worten gefragt:

„Wollt ihr Gottes Wort hören und seine Sakramente empfangen, damit ihr im Glauben bleibt, wachst und Frucht bringt zum ewigen Leben, so sprecht: Ja, mit Gottes Hilfe.“

Der Konfirmationsspruch und -segen

Jede Konfirmandin, jeder Konfirmand erhält ein Wort aus der Heiligen Schrift. Entweder hat es der Pfarrer für sie persönlich ausgewählt, oder sie haben es sich selbst ausgesucht. Dieses Wort soll sie auf ihrem Lebensweg begleiten.

Dann legt der Pfarrer jedem die Hand auf und segnet sie, etwa mit diesen Worten:

„Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe die seine Gnade: Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass du bewahrt wirst zum ewigen Leben. Friede + sei mit dir.“

Was man zur Konfirmation wissen sollte

Der Konfirmation geht eine 1- bis 2-jährige Vorbereitungszeit voraus. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen mir grundlegenden Aussagen des christlichen Glaubens vertraut gemacht werden und das Leben der Gemeinde kennenlernen. Sie sollen auch selbst zeigen, wie sie ihren Glauben verstehen und gestalten. Da aber weder das im Unterricht erworbene Wissen noch das abgelegte Versprechen die Hauptsache bei der Konfirmation sind, brauchen Jugendliche, deren geistige Fähigkeiten eingeschränkt sind oder die ihren Glauben nur in anderer Form zum Ausdruck bringen können, nicht von der Konfirmation ausgeschlossen zu werden. Auch Erwachsene können konfirmiert werden, etwa im Zusammenhang mit ihrer Taufe oder bei einem Eintritt in die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.

Abendmahl

KommunionIm heiligen Abendmahl, auch Herrenmahl, Altarsakrament (so im Kleinen Katechismus) oder Eucharistie (vom griechischen Wort eucharistia, Danksagung) genannt, ruft Christus seine Gläubigen an seinen Tisch. Durch den Empfang seines Leibes und Blutes erfahren sie Gemeinschaft mit ihm und unter­einander. Sie werden beschenkt mit „Vergebung, Leben und Seligkeit“ (Martin Luther). Daher soll das heilige Abendmahl häufig gefeiert werden.

Wie wir Abendmahlsgottesdienst feiern

Der sonntägliche Abendmahlsgottesdienst beginnt mit Liedern und gesungenen Gebeten im Wechsel zwischen Vorsänger oder Pfarrer und  Gemeinde. Den zweiten Teil bildet die Apostellehre mit Lesungen aus der Bibel, dem Evangelium und der Predigt. Anschließend feiern wir das heilige Abendmahl. Hierzu sind alle eingeladen, die getauft sind und Jesus liebhaben – auch die Kinder, die bei uns ab etwa 8 Jahren zum Sakrament zugelassen werden können. Am Ende des Gottesdienstes steht der Segen: wir haben Jesus in Wort und Sakrament erlebt, nun will er uns in den Alltag begleiten.
Der Gottesdienst enthält so mit Gemeinschaft und Gebet, Apostellehre und Eucharistie die vier Elemente, die schon von Anfang an zum Gottesdienst der Christen gehörten, wie Lukas in der Apostelgeschichte 2, 42 berichtet.

Kinder sind im Gottesdienst besonders willkommen. Für sie gibt es in Darmstadt an den meisten Sonntagen Kindergottesdienst: zu Beginn sind alle in der Kirche beieinander; vor der Predigt gehen die Kinder ins Gemeindehaus und feiern dort den Gottesdienst weiter. In regelmäßigen Abständen feiern wir in Darmstadt einen Gottesdienst für Jung und Alt („Familiengottesdienst“) mit Elementen, die auch Kinder mitvollziehen können.

Was man zur Abendmahlsteilnahme wissen sollte

Durch Gebet und Selbstprüfung soll ein Christ sich auf den Sakramentsempfang vorbereiten. Auch die Beichte kann zu solcher Vorbereitung dienen.

Weil die Feier des heiligen Abendmahls auch den gemeinsamen Glauben zum Ausdruck bringt, sollen Christen aus unterschiedlichen Konfessionen jeweils am Altar der eigenen Kirchengemeinschaft kommunizieren. Es gibt aber geistliche Situationen, in denen von dieser Regel abgewichen werden kann („gastweise Zulassung“). Hier soll das Gespräch mit dem verantwortlichen Seelsorger gesucht werden.

Schwache, kranke oder sterbende Gemeindeglieder können jederzeit ihren Pfarrer bitten, ihnen das heilige Abendmahl zu Hause oder im Krankenhaus zu reichen.

Es kann Lebensumstände geben, in denen es geraten ist, für eine gewisse Zeit vom Sakramentsempfang Abstand zu nehmen. Andererseits soll gerade derjenige, der kein Verlangen nach dieser Gabe verspürt oder meint, ihrer nicht würdig zu sein oder Schwierigkeiten im Glauben hat, prüfen, ob er die Hilfe Christi im Sakrament nicht gerade besonders braucht. Sein Seelsorger kann ihm dabei raten.

Beichte

BeichteZwar sind wir durch die Taufe befreit zu einem Leben in Liebe zu Gott und dem Nächsten, doch bewegen wir uns täglich von Gott und voneinander weg. Wer bekennt, dass er im Widerspruch zu Gottes Liebes­gebot lebt, kehrt zurück zu seiner Taufe, durch die unser sündiges Ich ertränkt wird und stirbt. Im Geschenk der Lossprechung (Absolution) erhebt uns Gott immer wieder zum neuen Leben in Jesus Christus. So ist die Beichte in ihrem Wesen eine grundlegende Lebensäußerung des christlichen Glau­bens, die weit über liturgische Vollzüge hinausgreift. Gleichwohl können feste Ordnungen hilfreich sein. Die beiden Grundelemente der sakramentalen Beichte sind das Bekenntnis der Sünden und der Zuspruch der Vergebung.

Was man zur Beichte wissen sollte

Zur Beichte „muss“ man nicht gehen – sie ist vielmehr ein Angebot gegen die Verdrängung der Schuld und zur Ermutigung zum Leben aus der Vergebung. Die Einzelbeichte mit Absolution findet in der Regel im Zusammenhang einer seelsorglichen Aussprache statt. Die Gemeinsame Beichte wird in einer liturgischen Feier begangen, oftmals unmittelbar vor einem Abendmahlsgottesdienst. Die Beichte ist, auch als Gemeinsame Beichte, kein öffentlicher Gottesdienst. Sie ist vielmehr ein stets auf bestimmte Personen (Beichtende) bezogener seelsorglicher Vorgang und geschieht „heimlich“. Daher steht die Beichte unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit.

Trauung

TrauungDie Ehe ist eine „weltliche“ Ordnung (Luther), die unter be­son­derem staatlichem Schutz steht. Sie ist aber zugleich auch eine göttliche Gabe. In der kirchlichen Trauung kommt zum Ausdruck, dass die auf die Weitergabe des Lebens hin offene Liebes- und Lebensgemeinschaft von Mann und Frau unter den Formen der Beziehungen, die Menschen mit­ein­ander ein­gehen, eine einzigartige Stellung einnimmt. Christen beken­nen sich zueinander und geloben lebenslange Treue – „mit Gottes Hilfe“.

Die Trauung geschieht in der Regel als öffentliche gottesdienstliche Handlung, an der die Gemeinde fürbittend teilnimmt. Sie kann mit der Feier des heiligen Abendmahls verbunden sein.

Wichtiges aus der Trauliturgie

Das Trauversprechen

Nach der Verlesung von biblischen Worten zur Gemeinschaft von Mann und Frau fragt der Pfarrer die beiden Partner etwa mit folgenden Worten:

(Name), willst du diese/diesen (Name) zu deiner Ehefrau/Ehemann nehmen, sie/ihn treu und herzlich lieben und die Ehe mit ihr/ihm nach Gottes Gebot und Verheißung führen in guten wie in bösen Tagen, bis der Tod euch scheidet, so bekenne es vor Gott und dieser Gemeinde und antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.

Das Brautpaar kann das Versprechen auch in einer gegenseitigen oder Erklärung geben, etwa:

(Name), ich nehme dich als meine Ehefrau / meinen Ehemann aus Gottes Hand. Ich will dich lieben und achten, dir vertrauen und treu sein. Ich will dir helfen und für dich sorgen, will dir vergeben, wie Gott uns vergibt. Ich will zusammen mit dir Gott und den Menschen dienen, solange wir leben. Dazu helfe mir Gott.

Was man zur Trauung wissen sollte

Vorbereitung

Es ist wichtig, so früh wie möglich mit dem Pfarrer am Wohnort eines der beiden Partner Verbindung aufzunehmen. Wenn gute Gründe für die Wahl eines anderen Pfarrers oder einer anderen Kirche sprechen, so lässt sich das klären. Der Pfarrer führt mit den Brautleuten ein Traugespräch über das christliche Verständnis der Ehe, die Bedeutung der kirchlichen Trauung und informiert über die Möglichkeit (christlicher) Eheberatung. Er weist sie auch auf die Verantwortung hin, ihre Kinder in der evangelisch-lutherischen Kirche taufen zu lassen. Zu reden ist auch über die Gestaltung der Feier. Die Mitwirkung der Brautleute ist dabei willkommen, etwa bei der Wahl der Bibelworte und der Lieder, auch in Form einer Beteiligung bei den Gebeten. Das Brautpaar kann sich einen Trauspruch wählen, der die beiden durch das Leben begleitet und ihnen Möglichkeiten für die Gestaltung des gemeinsamen Lebens eröffnet. Daneben sind organisatorische Absprachen erforderlich, zum Beispiel über die Musik oder über den Schmuck in der Kirche.

Trauung und Kirchenmitgliedschaft

Gehört ein Partner einer anderen christlichen Kirche an, dann ist das kein Hindernis für eine Trauung. Die damit zusammenhängenden Fragen sollen offen besprochen werden. So sehr unterschiedliche Konfessionszugehörigkeit das Gespräch befruchten kann, so leicht kann es auch Konflikte geben. Besonders, wenn Kinder kommen, sind Entscheidungen nötig. Glieder der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche sollten auf eine Trau­ung in ihrer Kirche hinwirken. Respektiert werden aber auch die evangelische oder die römisch-katholische oder die Trauung in einer anderen christlichen Konfession. Das Brautpaar sollte sich bei seinem Pfarrer rechtzeitig über die Dispensmöglich­keit für den römisch-katholischen Partner unterrichten. Wünscht der anderskirchliche Partner die Mitwirkung eines Geistlichen seiner Konfession, so kann der evangelisch-lutherische Pfarrer diese Mitwirkung unter bestimmten Vorausset­zungen zu­lassen („gemeinsame Trauung“, gewöhnlich als „ökumenisch“ bezeichnet).

Bei der Eheschließung eines Christen mit einem Nichtchristen oder einem Angehö­rigen einer anderen Religion kann eine kirchliche Trauung nicht erfolgen. Jedoch kann an den Eheleuten im Zusammen­hang mit einem Gottesdienst kirchlich ge­handelt werden. Voraussetzung ist ein Gespräch, in dem zu klären ist, dass der nichtchristliche Ehepartner dem zu­stimmt und sich bereit erklärt, die we­sentlichen Merkmale des christlichen Eheverständnisses zu achten, dass der nichtchristliche Ehepartner der Tau­fe und christlichen Erziehung von Kindern zustimmt, und dass der evangelisch-lutherische Ehepartner die Möglichkeit hat, seinen Glauben und seine kirchliche Bindung in der Ehe zu le­ben.

Wenn ein Partner geschieden ist

Die Ehe unter Christen ist auf Dauer angelegt. Wenn eine Ehe dennoch scheitert, hoffen wir auf die Barmherzigkeit und die Vergebung Gottes. Das Misslingen einer Ehe muss erst verarbeitet werden, bevor eine neue Ehe verantwortlich eingegangen wird. Auch sie steht unter dem Segen Gottes. Es liegt in der seelsorg­lichen Verantwortung des zuständigen Pfarrers, ob das kirchliche Handeln in Form einer Wiedertrauung oder in Form einer Segenshandlung erfolgt. Wenn die Schuldeinsicht fehlt und Gottes Verge­bung nicht gesucht wird, ist kirchliches Handeln in keiner Weise möglich.

Dienst an Kranken

KrankensegnungJesus Christus ist Künder und Vermittler des umfassenden Heils für die Menschen. Die Kirche hat es daher immer als ihre Pflicht angesehen, für die Kranken zu sorgen. Dieser Dienst geschieht auf viel­fältige Weise: durch Krankenpflege, durch persönliche Begleitung, durch Krankenbesuche, durch gottesdienstliche Handlungen wie Beichte, Krankenabendmahl und Krankensegnung.

Die Krankensegnung

Der Pfarrer legt dem Kranken die Hand auf. Dazu kann nach apostolischer Weisung (Jakobus 5, 14-16) die Salbung mit Öl an Stirn und Händen treten. Dazu spricht er ein Segenswort, etwa:

„(Name), du wirst gesegnet [und gesalbt mit Öl] im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Er richte dich auf durch die helfende Macht seiner Liebe. Friede + sei mit dir.“

Bestattung

Bestattung-Afg-JesusB600H400Was Gott in der heiligen Taufe begonnen hat, führt er bei denen, die aus der Taufgnade gelebt haben, durch Sterben und Tod zur Vollendung. Zum christlichen Leben gehört daher auch die Vorbereitung auf das Sterben.

Geht ein Christ dem Tod entgegen, sollten die Angehörigen den Pfarrer rechtzeitig zu dem Sterbenden rufen. Er spendet ihm dem Krankensegen und reicht ihm, wenn es möglich ist, das heilige Abendmahl. Nach dem Sterben kann die sogenannte Aussegnung folgen.

Wichtiges aus der Bestattungsliturgie

Wenn Christen zu Grabe getragen werden, teilt die Gemeinde den Schmerz der Trauernden und erinnert an die Endlichkeit des irdischen Lebens unter dem Gericht Gottes. Sie verkündigt die Erlösung durch Christi Opfer und seinen Ostersieg. Sie preist Christus als den Herrn über den Tod. Das kirchliche Begräbnis ist ein Gottesdienst, der in der Regel an zwei Stationen begangen wird: die Feier in der Kirche oder einer Trauerhalle und das eigentliche Begräbnis.

In der Kirche oder Trauerhalle

Die Gemeinde begleitet ihre Toten und deren Angehörige angesichts der Unausweichlichkeit des Todes und Gewissheit seiner Überwindung. Deshalb ist Raum für Trauer und Klage über den erlittenen Verlust. Das Leben des Verstorbenen kommt in angemessener Weise zur Sprache. In Schriftlesung und Predigt wird die bergende Liebe Gottes bezeugt.

Am Grab

Die Handlung am Grab beginnt damit, dass der Sarg eingesenkt wird. Danach spricht der Pfarrer:

„Der Herr über Leben und Tod hat unseren Bruder/unsere Schwester in Christus aus diesem Leben abgerufen. Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden. Gott vollende an dir, was er dir in der Taufe geschenkt hat, und gebe dir Teil an seiner Herrlichkeit.“

Die Bestattung schließt mit einem Bibelwort, das auf die neue Schöpfung hinweist, und dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser.

Feuerbestattung

Der Gottesdienst zu einer Feuerbestattung wird entsprechend gestaltet. Für die spätere Urnenbeisetzung kann die Begleitung eines Pfarrers in Anspruch genommen werden.

Tod und Bestattung eines Gemeindegliedes werden im sonntäglichen Gottesdienst bekanntgegeben. Die Gemeinde betet für die im Glauben Verstorbenen und ihre Angehörigen.

Segnung – Weihe – Ordination

Ordination in der SELKDurch Wort Gottes und Gebet werden Menschen, aber auch Gaben der Schöpfung (z. B. Essen und Trinken) sowie Sachen (z. B. Kirchen und Wohnungen) und  gesegnet und geweiht.

Eine Sonderstellung nimmt die Ordination, die Weitergabe des Hirtenamtes, ein. Wegen ihrer grundlegenden Bedeutung kann sie in der lutherischen Tradition als Sakrament gesehen werden. Die Gemeinde ist berufen, diesen Dienst in ihrer Mitte durch Fürbitte und Mitarbeit zu unterstützen.

Die Ordination

Die Kirche kennt seit alters das priesterliche Hirtenamt, das sich in verschiedene Dienste gliedert, vor allem den des Pastors (lateinisch, Hirte) oder Pfarrers. Es heißt auch apostolisches Amt, da sich in ihm Verantwortlichkeiten zeigen, die für die Existenz der Kirche unabdingbar sind: Die Verkündigung des Wortes Gottes in Gesetz und Evangelium („Predigtamt“) und die Verwaltung der Sakramente. Ordination heißt die Indienstnahme und Segnung zu diesem Amt und die damit verbundene Bevollmächtigung in der Kraft des Heiligen Geistes. Sie geschieht in einem öffentlichen Gottesdienst durch Handauflegung und Gebet des Bischofs (Superintendenten).

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